Der Samstag des Festivals startet wie schon aus dem letzten Jahr gewohnt mit Frühschoppen und Tribute Bands im Partyzelt, wo sich um 10 Uhr bereits die ersten für die BOLT THROWER-Tribute Band SPEARHEAD versammeln. Darauf folgen die HYPOCRISY-Nacheiferer CHAOS AND CONFUSION, die bei einigen für Verwirrung sorgen, welcher Tag heute eigentlich ist.
Als der Tag dann so richtig mit ATOMWINTER beginnt, ist das Infield schon zu früher Stunde ordentlich voll. Die Death Metaller überzeugen nicht nur durch gemeinsame Nackenrotation am Morgen, sondern vor allem auch durch ihre sympathischen Zwischenansagen. „Danke, für die Einladung! Wir würden uns mega freuen, wenn ihr nachher zum Signing bei uns vorbeikommt“, freut sich Sänger Florian Bauer – nur um dem Publikum dann nicht mehr so netten Todesmetall auf die Schnauze zu prügeln.
FROZEN SOUL haben synchron Headbangen offensichtlich geübt und versuchen, einer komplett sonnenverbrannten Meute das Thema „Glacial Domination“ näherzubringen. Die Situation ist nicht ohne Ironie. Die danach übernehmenden SPECTRAL WOUND hassen offensichtlich alles oder klingen zumindest so, während sie ihren bitterbösen Black Metal ins Publikum schleudern. Ein kurzes Stolpern bringen dann SKITSYSTEM in den Tag, deren schlechter Sound für vermehrtes Abwandern und einen kurzen Spaziergang über den Campground sorgt. Die Crust Punker wären in mehrerlei Hinsicht besser im Zelt aufgehoben gewesen. Dort hätten auch die wenigen begeisterten Fans etwas weniger verloren gewirkt.
Tatsächlich im Zelt eröffnen dann TABULA RASA, die sich selber nicht besonders ernst nehmen und zum Beispiel mit Liedern über die Anstrengung, böse zu sein das Publikum erfreuen. Das erste Highlight des Tages liefern dann ELLENDE auf der Mainstage, die das erste Mal den Regen und passend zur Atmosphäre auch den Nebel beschwören und nicht nur guten Sound, sondern auch viel Gefühl liefern. Mit weniger Gefühl, außer einer gehörigen Portion Hass, folgen darauf die Death Metaller SKINLESS, die den Ofen auf der Bühne anmachen und ein absolutes Oldschool-Set spielen. Außerdem überzeugt Sänger Sherwood Webber mit sympathischen Zwischenansagen und einer fast richtigen Version von „Mein Hut, der hat drei Ecken“.
Danach geht es noch einmal zur Tentstage zu STORMKEEP, die mit ihrer albernen Kostümierung die Geister scheiden. Mit Zaubererhut und Keyboard verbreiten die Melodic Black Metaller Schwärze im Zelt und sorgen bei denjenigen, die groß genug sind, die Bühne tatsächlich zu sehen, für Befremden. Wer unter 1,70m groß ist und sich deswegen nur auf den Sound konzentrieren konnte, ist hingegen eher angetan. Danach bringen IMPIETY auf der Mainstage ein Backdrop in (fast) angemessener Größe mit, können das Versprechen, dass das große Backdrop gibt, mit ihrer Musik aber leider nicht ganz halten.
Zeit für IMMOLATION, die New Yorker Death Metal und „Destructive Currents“ unter die Leute bringen. Leider reichen die destruktiven Wellen bis zu ENDSTILLE, die über den ganzen Auftritt mit technischen Problemen zu kämpfen haben und deswegen leider weder während der Zwischenansagen noch während der Songs auch nur halbwegs verständliche Vocals haben, obwohl der Bass die ganze Zeit über durchschrabbelt. Eine Enttäuschung für Band und Fans gleichermaßen.
Ein letztes Mal zurück ins Zelt geht es dann zu HERETIC, die sich nicht lumpen lassen und ein großes Black ’n Roll-Fest im Zelt veranstalten. Das Publikum kocht, der Sound sitzt, eine geile Show! Dann der letzte kurze Spaziergang zurück zur Mainstage, auf der BORKNAGAR mit etwas Verspätung starten, dann aber direkt losknüppeln. Zu „The Rhymes Of The Mountain“ beschwören die Norweger die ersten dunklen Wolken – und mit dem durchdringenden, von Klargesang getragenen „Voices“ eine Gänsehaut im ganzen Publikum. Einer der absoluten Höhepunkte des diesjährigen Party.San.
Dann läuten KATAKLYSM den Anfang vom Ende ein und haben keine Mühe, das von drei Tagen Festival und Schlafmangel ermüdete Publikum mit ihrem Death Metal wach zu halten und noch einmal zum Headbangen und Moshen zu animieren, bevor die letzte Chance dafür vorbei ist. Die tatsächlich letzte Chance dafür bieten ENSLAVED, die heute ein besonderes Set mitgebracht haben und erstmalig außerhalb von Bergen ihr Debüt-Album „Vikingligr Veldi“ in Gänze spielen. Dass das Album unter anderem auch von deutscher Musik („Das Wort ‘Krautrock‘ hört man hier wohl nicht so gern“, lacht Sänger Grutle Kjellson) inspiriert ist, geht natürlich runter wie Öl. Auch der Sound sitzt endlich einmal perfekt und gegen Ende des Auftritts ist der Himmel sternenklar. Ein ganz besonderer Moment und definitiv ein würdiger Abschied für das Party.San 2023.
Während die ersten direkt zurück in ihr Zelt stolpern oder sich vielleicht sogar direkt auf den Weg nach Hause machen, finden die Feierwütigen sich noch im Partyzelt wieder. Hier wird einvernehmlich ignoriert, dass das Wochenende sich dem Ende neigt und in ausgelassener Stimmung und mit dem einen oder anderen Cuba Libre intus wird ab 3 Uhr morgens noch zu „Dancing Queen“ und anderen ABBA-Hits das Tanzbein geschwungen, bevor selbst die letzten Fans sich langsam eingestehen müssen, dass es langsam Zeit ist, zu gehen. Danke für ein weiteres großartiges Jahr mit vielen schönen Erinnerungen, großartiger Musik und einer allzeit zuverlässigen Bierversorgung, liebes Party.San Metal Open Air! Wir freuen uns aufs nächste Jahr.